IRMA EBERL

TIME LEAPS



Eröffnung:
13. Juni 2000, 19:00 Uhr. Zur Ausstellung spricht: Dr. Michael Braunsteiner

Ausstellungsdauer:
14. Juni bis 15. Juli 2000

Öffnungszeiten:
Di – Fr: 15 – 18 Uhr, Sa: 10 – 12 Uhr

GALERIE SCHAFSCHETZY STUDIO
Sporgasse 22, A-8010 Graz
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Text von Peter Weiermair. (Direktor des Rupertinums)

Irma Eberls künstlerische Position innerhalb der zeitgenössischen Situation in Österreich ist zentral die einer Malerin, denn auch ihr künstlerischer Einsatz der technischen Medien Polaroid, Farbkopierer oder Fax geschieht mit der alleinigen Absicht zu Ergebnissen zu gelangen, die in der Parallelität zur Malerei zu interpretieren sind. Die Fotografien sind ohne dokumentarischen Absichten. In Serien und Einzelbildern verwandelt sie die Vorlagen. Der Blick der Malerin ist dabei zu erkennen. Motivlich nimmt sie das Nächstliegende, das Leben in der Familie, das kreative Spiel der Kinder, Stilleben in der Wohnung oder Masken, die sie selbst herstellt, immer wieder aber die Kinder als kreatives Potential in mehr als nur einer Hinsicht. Kinder sind auch das Thema der Zeichnungen, die im Katalog reproduziert werden und die dann entstehen, wenn das zentrale Geschäft des Malens etwa auf Reisen nicht möglich ist. Aber auch in diesem wird das Intimistische und Atmosphärische ihrer künstlerischen Position deutlich.
Was Eberl bei den Faxreihen und auch bei den Polaroids interessiert, ist die abstrahierende Veränderung der Formen, aber auch der Farben durch die jeweiligen Medien. Es ist einsichtig, dass sie die satte Leuchtkraft des Polaroids schätzt, aber auch die Abfolge der Formen, die durch die künstliche Verfremdung des Faxgerätes eintreten. Der an den Wänden angebrachte Faxstreifen, der zu Beginn noch Binnenstrukturen aufweist und von der Wirklichkeit der aufgenommenen Realität berichtet, verändert sich im Licht und wird bräunlich und gelb. Die Formen fließen zu Großformen zusammen, treten hervor und vereinigen sich zu einem Band des Stills eines abstrakten Films. Dass ihr dieses Medium wichtig ist, und dass sie es auch im Gespräch fast als gleichbedeutend mit der ungleich reicheren Produktion an Bildern ansieht, dass sie Bilder mit Faxstreifen in Raumsituationen vereint, bedeutet nichts anderes, als dass ihr diese Verfahrensweisen der Parallelität halber wichtig erscheinen.
Im Titel dieser Ausstellung taucht der Begriff der Zeit auf. Zeit ist ein Schlüsselbegriff für alles Fotographische, den einfachen Schnappschuss wie auch die Übermittlung von Bildern über das Telefon. Die Zeit ist aber auch eine zentrale Kategorie unserer Existenz und aller Malerei. Dies betrifft sowohl die Produktion von Malerei, wie auch ihre Rezeption, den Vorgang des Malens wie die Erfahrung des Betrachters. Man vergisst dies oft zu schnell und gibt den Bildern, dies gilt für die historische Malerei wie auch für die zeitgenössische, zu wenig Zeit, man sieht sie zwar, erkennt sie jedoch nicht. Man spricht davon, dass ein Bild sich entfalten müsse, und dass die verschiedenen Legenden, wie sich auch für die Werke von Irma Eberl maßgeblich sind, sich erst nach und nach öffnen vermögen. In Eberls Bildern erkennen wir Muster, die u.a. auch aus der Überlagerung von Pinselverläufen herrühren. Diese Muster sind nicht streng geometrisch oder konstruktiv, sondern wir erleben sie als eine Folge hintereinander drapierter Vorhänge. Irma Eberl verunklärt die Struktur manchmal und erzeugt durch Verwischungen den Charakter des Atmosphärischen. In allen Arbeiten spielt die Subjektivität der Handschrift eine wichtige Rolle.
Wenn wir von der Dimension der Zeit reden, die auch als eine quantitative Abfolge gemessen werden kann, etwa als Linie mit einer bestimmten Längenerstreckung, so wird dieses Moment in ihren Bildern durch Pinselstriche übertragen. Diese Striche ziehen sich über das Bild hinweg und verlieren dabei immer mehr an Farbkraft. Auch die Folgen der einzelnen Abschnitte in einem Muster erinnern an den Film und damit wieder an die Abfolge einzelner Stills. Die Künstlerin arbeitet in ihrer Malerei auf dem Hintergrund einer Tradition der Malerei des XX Jahrhunderts, aber erreicht durch die Mischung von strukturellen Absichten und subtiler Farbigkeit von reflektiertem Konzept, dem Spiel mit der Sprache der Malerei und atmosphärischer Stimmung eigene, unverwechselbare Lösungen.

Peter Weiermair
Direktor des Rupertinums


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A-8010 Graz
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