Karen Holländer, Josef Kern, Andreas Leikauf, Anton Petz, Klaus Wanker

Eröffnung:
Dienstag, 23. 11. 2004, 19 Uhr

Ausstellungsdauer:
24. November – 24. Dezember 2004

Öffnungszeiten:
Di – Fr: 10 – 13 Uhr, 14 – 18 Uhr; Sa: 10 – 18 Uhr

Die gegewärtige Ausstellung ist einem sehr traditionellen Thema gewidmet, nämlich der Darstellung des Menschen. Fünf Künstler nähern sich auf sehr unterschiedlicher Weise – sowohl inhaltlich als auch stilistisch – diesem Sujet.

Erstmals mit Ihren Arbeiten in Graz vertreten ist Karen Holländer. Die aus Deutschland stammende Malerin und Buchillustratorin studierte an der Akademie der bildenden Künste Malerei und lebt seit 19 Jahren in Wien. Sie setzt sich in ihrer Malerei mit dem Thema „Konsumwelten“ auseinander. Ein Spaziergang durch die Stadt liefert eine Flut von Eindrücken, die zusammengewürfelt sind aus vielen Einzelheiten wie Leuchtschildern, Werbetafeln, Gerüchen, Geräuschen, Spots, starr blickenden Schaufensterpuppen, Waren und Menschengewühl. In dieser geballten, neonbeleuchteten Atmosphäre aus Sehnsüchten, Begierden und Träumen findet Karen Holländer die Sujets für ihre Bilder.

Im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit steht immer die Künstlichkeit der Konsumwelten, von denen gleichermaßen eine geradezu unheimliche Kälte und Faszination ausgeht. Hier in diesen spiegelnden, glänzenden Tempeln wohnt das Neue, Perfekte und Erstrebenswerte, hier wird den neuesten Trends nachgejagt. Was aber passiert, wenn nach Ladenschluss die Menschenmengen durch die hydraulischen Türen nach draußen befördert werden und sich im Labyrinth der Seitenstrassen und U-Bahnnetze verlieren? Eine einsame Spaziergängerin versenkt sich in den Anblick nackter Gliedmaßen von an die Wand gelehnten Ankleidepuppen. Der bloße Kopf einer Herrenpuppe liegt seitlich auf der Stellage. Sie hat das Gefühl, die verführerisch- gläsernen Augen beobachteten sie. Das grüne Neonlicht der Auslagenfenster spiegelt sich im nassen Asphalt der Strasse. Ein Mann schiebt in der Entfernung einen Einkaufswagen über den Parkplatz. Die nüchterne Architektur eines Einkaufszentrums türmt sich über ihm auf. Perfekt gekleidete, wohlproportionierte Schaufensterpuppen bevölkern starr und steif in künstlichen Posen die Auslagen der abendlichen Schaufenster, nur zwei tanzen aus der Reihe, ein dicklicher Mann im Smoking und eine Frau im langen Abendkleid. All diese Szenen gelten als würdige Motive für Karen Holländers Bilder, in denen sie versucht, sich kritisch mit ihrer vom Konsumwahn dominierten Umwelt auseinander zu setzen.
(nach einem Text von Karen Holländer)

Andreas Leikauf bedient sich der Suggestivkraft von Bildern, Texten und Information allgemein. Seine Themen wie Gewalt, Politik, sexuelle Beziehungen, etc. werden so dargestellt, wie sie in den Medien präsentiert werden. Vorhandenes Bildmaterial (aus Zeitungen, Magazinen, etc.) wird dabei verwendet. Wenige, meist intensive Farben in Verbindung mit Schwarz machen die die Dramatik aus. Obwohl die Protagonisten aus der Jetztzeit stammen, wirken sie zeitlos. Im besten Sinn holzschnitthaft sind Leikaufs Bilder. Sie relfektieren über das, was wir für schön halten und hinterfragen Ideale und Wunschbilder, nicht zuletzt durch die Gegenüberstellung von Bild und Text. In der Struktur des Comics findet er zusätzlich bereits entwickelte Darstellungsmöglichkeiten.
(Textauszug: Günther Holler-Schuster, Boxen, Bebop, Whiskey und filterlose Zigaretten – Zu Andreas Leikaufs neuesten Bildern, Kat. Andreas Leikauf No Brain – No Pain, hilger contemporary , 2004)

Anton Petz konzentriert sich auf die Bedeutung und Wirkung von massenmedial, vor allem durch das Fernsehen verbreiteter Bilder. Die Darstellung von Menschenmassen ist in letzter Zeit zu einem weichtigen Thema geworden. Die Bilder erinnern an Massendemonstration oder andere Menschenansammlungen. Petz beabsichtigt keine nähere Kennzeichnung der Einzelpersonen. Die gestisch und schnell gesetzten Pinselstriche erschaffen eine farbmächtige, expressive Welt aus Waagrechten, Senkrechten und Diagonalen, aus vereinzelt runden und kreisförmige Elementen, die mit beeindruckendem Schwung zielsicher gesetzt sind. Geht man nahe an die Leinwand heran wird man kein mimetisches Abbild mehr finden können. Man befindet sich im einem Farb-und Formenraum, der die Wahrnehmung umgreift, ähnlich wie es bei informeller Kunst der Fall sein kann. Tritt der Betrachter ab vor der Leinwand zurück, so setzt der Wiedererkennungseffekt medial vertrauter Bilder ein, die aber durch Farbe und formale Gestaltung verfremdet sind. Dabei bleibt das Bezugssystem immer im Verhältnis von Gesellschaft und Einzelindividuum.

Josef Kern befaßt sich seit Jahren mit der Darstellung des Menschen. Seine Auseinandersetzung mit den klassischsten aller Genres, dem Porträt, dem Akt, aber auch dem Stilleben hat Kern praktisch zum Markenzeichen erhoben. Er porträtiert Freunde und Bekannte, Modelle oder sich selbst. Direkt und offen stellt er Nacktheit als etwas provozierend Natürliches dar. Die Sinnlichkeit seiner Gemälde entsteht nicht zuletzt durch seine virtuose Beherrschung der malerischen Technik. Farbschattierungen, reich an raffinierten Nuancen, modellieren die Körper und refektieren von der Hautoberfläche. Im Kontrast dazu korrespondieren Stoffdrapierungen oder Lederbezüge in ihrer Materialität mit dem menschlichen Fleisch. Kern scheut sich nicht, durch seine bisweilen fast unbarmherzige Realitätsnähe die Intimsphäre der Dargestellten zu durchbrechen.

Klaus Wanker inszeniert junge Menschen in ihrer Street Wear und ihrem Style: bunt, kühl, präzis. Die Models von der Straße sind in Szene, sozusagen in Pose gestellt. Es ist die Welt der Show, der Szenery, des Imaginary Stardom. Momentaufnahmen des Augenblicks. Ruhm und Illusion liegen nahe beieinander. Brainwashing durch Branding, Werbung und Marketing der Konzerne, Medien uns Music Channels. Produkte und das Produkt Mensch – geschaffen durch Manager und Artdirectors.
(Auszug aus Katalogtext von Kolja Kramer)