KAREN HOLLÄNDER

Verwicklungen


Eröffnung und Katalogpräsentation:
Donnerstag, 30. November 2006, 19 Uhr

Ausstellungsdauer:
01. Dezember 2006 bis 13. Jänner 2007

Katalog zur Ausstellung:
Karen Holländer, Verwicklungen, 2006, ISBN 3-9502077-2-4; Text von Silvie Aigner.

Öffnungszeiten:
Mo – Sa: 10 – 13 Uhr, 14 – 18 Uhr
24.12.2006 bis 01.01.2007 geschlossen

„Dem Blick wohnt aber die Erwartung inne, von dem erwidert zu werden, dem er sich schenkt“, so Walter Benjamin. (Benjamin/1972. S.512) Doch selbst dort, wo Karen Holländer sich selbst malt, entzieht sich ihr Blick dem Betrachter. Die Künstlerin im Narrenturm, im Rückenakt auf einer Betonbank oder am Sofa liegend – stets ist die Atmosphäre leicht beklemmend. Die Porträts geben vor allem Holländers inneren Gemütszustand wieder. Die Künstlerin spielt zudem bewusst mit dem Kontrast des weichen Körpers zur architektonischen Umwelt und malt sich liegend in Rückenansicht auf einer städtischen Betonbank. Karen Holländer posiert nicht, und sie arbeitet auch nicht mit der Theatralik einer dramatischen Geste. Im Gegenteil ihre Bilder sind sanft und zurückhaltend. Sie drängen sich dem Betrachter nicht auf und treffen doch unmissverständlich auf ein kollektives Bewusstsein. Karen Holländers Malerei ist eine irritierende Intensität eigen, die ausgeht von der ruhigen poetischen Lyrik ihrer Bilder, die Gemütslagen unmissverständlich und direkt wiedergeben und dennoch die notwendige Distanz vermitteln. Sie geben nur soviel von der Künstlerin preis, als sie selbst für notwendig empfindet, um ihre konzeptuell-inhaltlichen Anliegen zu transportieren. Karen Holländer arbeitet in ihren Tafelbildern mit der Klarheit formaler Kompositionen. Die Ästhetik der geformten Landschaft, der Architektur und die reduzierte Palette intensivieren die inhaltliche Thematik und dokumentieren zugleich die, den Motiven innewohnende formale Schönheit. Die Fotografie stellt dabei in der Malerei von Karen Holländer einen Ausgangspunkt dar und dient als Hilfsmittel für den malerischen Arbeitsprozess. Doch bildet das reale Motiv weder den alleinigen Inhalt noch die formale Position des Bildes.

„Warum“, fragte Sokrates in seinem Gespräch mit dem Maler Parrhasios, „ahmt ihr nicht auch die seelischen Eigenschaften nach, das Überzeugendste, das Angenehmste, das Holdeste, das Begehrenswerteste, (…)‚ Parrhasios antwortete: „Wie könnte denn etwas nachzubilden sein, mein lieber Sokrates, das weder Gleichmass, noch Farbe noch sonst etwas hat, wovon du eben sprachst, noch überhaupt sichtbar ist?.“ (Pakesch/2001, S.18) Das Abbild als reine Darstellung von Pose und Physiognomie musste in der zeitgenössischen Kunst der Form des erweiterten Porträts weichen. Gerade hier begegnen sich Fotografie und Malerei auf kongeniale Weise in einer Mischung von Realität und Fiktion. Der Maler wird zum Beobachter des Alltags, folgt jedoch mit seinem Blick nicht der Oberfläche sondern versucht hinter das nach außen hin Sichtbare zu schauen. Karen Holländer geht dabei auch von ihrer eigenen Befindlichkeit aus, sieht sich selbst in ihrem Leben in der Stadt und vermittelt ganz nach den Forderungen von Sokrates eine innere Gefühlswelt. Diese bildet jedoch anders als der Philosoph dachte, nicht nur das Holde, Entzückende und Angenehmste ab. Karen Holländers Stimmungen haben stets auch mit ihrer Rolle als Frau zu tun, mit der Wahrnehmung der eigenen weiblichen Körperlichkeit im Bezug zur Gesellschaft und zu ihrem Lebensraum. Die Künstlerin transportiert diesen Tatbestand jedoch nicht ideologisch, oder als Aufforderung zu einer gesellschaftlichen Schubumkehr, sondern aus einem individuellen Erleben und einer damit verbundenen reflexiven Auseinandersetzung heraus. Ihr eigenes Modell zu sein, ist für Karen Holländer zugleich auch eine Weigerung dem Blick des malenden Künstlers ausgeliefert zu sein. Sie entsprechen dem Wunsch, den Blick der Frau auf sich selbst zu richten, ihre eigenen Stimmungslagen freizulegen, sich selbst ein Bild von sich zu machen, und nicht den Vorstellungen eines Anderen zu entsprechen. Daher könne sie auch ihre eigenen Erfahrungen und Gemütszustände keinem weiblichen Modell aufzwingen, allzu schnell würde dies zur leeren Pose gefrieren. „Ich male mich selbst, weil ich auch mit mir selbst zusammen sein muss.“ so die Künstlerin.

© Silvie Aigner, Oktober 2006
aus: Katalog „Karen Holländer. Verwicklungen“, 2006, ISBN 3-9502077-2-4


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