PETRA STERRY

Der Lichthof


Eröffnung:
Di, 9. April 2002, ab 18.00 Uhr

Ausstellungsdauer:
10. April bis 4. Mai 2002

Öffnungszeiten:
Di – Fr: 9.30 – 13 Uhr, 13.30 – 18 Uhr,
Sa: 10 – 13 Uhr
GALERIE SCHAFSCHETZY
Färbergasse 2, A-8010 Graz

Petra Sterry arbeitet mit unterschiedlichsten Medien. In der Hauptsache mit Fotografie und Grafik, in letzter Zeit auch mit Malerei, wobei sie beim diesjährigen Bauholding-Wettbewerb, das ist ein Wettbewerb für Malerei, bereits einen Preis errang. Alle ihre Arbeiten sind in ihrer Gegenständlichkeit scheinbar leicht lesbar. Doch der Schein trügt. Ohne Kenntnis von Sterrys Interesse und Vorliebe für Psychologie und Literatur erschließen sich ihre Bilder nicht.

Literarische Hinweise fanden sich immer wieder in ihrem Werk. Im Rahmen der heurigen Galerientage „aktuelle kunst in graz“ wird ihr erstes Buch „Der Lichthof“ mit Gedichten und Erzählungen von ihr erscheinen. Das Buch schildert Menschen auf der Suche nach sich selbst und enthält auch Textbilder, die Sterrys lustvolle und spielerische Auseinandersetzung mit Sprache zeigen. Die Textbilder sind meist Vierzeiler, in denen sie Passagen, die aus verschiedenen Sprachen, von Kinderreimen oder aus dem Lexikon allgemein bekannt sind, mit Witz und Ironie in Wortspiele verwandelt, die voller Mehrdeutigkeit sind.

Begleitend zur Literatur finden sich in diesem Buch Zeichnungen, die zwar in einem thematischen Zusammenhang mit den Texten stehen, als autonome Kunstwerke jedoch nicht unbedingt nur in diesem Zusammenhang zu sehen sind. Eine Auswahl dieser Zeichnungen werden in dieser Ausstellung gezeigt.

Sterrys Themen, die auch autobiografische Momente aufweisen, behandeln grundsätzlich existentielle Fragen. Sie kreisen um Tod, Gewalt, Sexualität und Macht und stellen die damit verbundenen Zwänge und Ängste dar. Auf der Suche nach sich selbst konfrontiert sie den Betrachter mit der Unsicherheit von Selbstbestimmung. Durch die Thematisierung von Fremdeinfluß und der Abhängigkeit davon macht sie die Schwierigkeit einer eigenen Standortbestimmung bewußt. Ein wesentliches Thema in ihren Arbeiten ist die Durchdringung von Mensch und Natur. Bilder von Erhängten, von Gräbern, von Menschen die ins Nichts fallen oder solchen, die die Natur durchdringen, schildern uns Todessehnsucht und Unsicherheit. Nichts ist in ihren Arbeiten zufällig, alles hat einen besonderen Sinn. Gras z.B., als Gewächs empfindsam und labil, stellt für Sterry ein Synonym für die Seele dar.

Sterrys Bildwelt ist eine fragile und symbolhafte. Die dargestellten Insekten, Schmetterlinge und Käfer stehen für Empfindsamkeit, symbolisieren aber auch Verwandlung, Lieblichkeit und Grauen. Lust und Ekel, die diese Tiere verkörpern, sind eng beieinander und verweisen auf die Subtilität und Vielschichtigkeit von Anschauung. Petra Sterry lotet gerne in ihren Arbeiten den Bereich des Machbaren auf einem unbestimmbaren Terrain aus. Sie befaßt sich z.B. mit der Frage, wie kann man Erinnerung, die etwas ganz Spezielles, nie Realistisches ist, umsetzen, was ist das Wesentliche an ihr, wo liegt der eigentliche Moment der Erinnerung.

Petra Sterrys Arbeiten sind von großer Eindringlichkeit trotz formaler Reduktion. Darin drückt sich ihr besonderes Verhältnis zu Linie und Fläche und ihre Art räumlich zu denken aus. Meist genügt die Umrißzeichnung mit ihrer dynamischen Kontur ohne Binnenzeichnung und Schatten um drastische Plastizität zu vermitteln, wobei Leerräume und Flächen einen wesentlichen Bestandteil bilden. Die verwendeten Materialien entsprechen dieser Intention. Sie verwendet Kreide auf schwarzem Hintergrund, die durch ihre ausgefranste dynamische Kontur einen Collageeffekt erzeugt, weißen Stift auf schwarzem Naturpapier, um die Fragilität zu unterstreichen oder sie arbeitet mit einem sehr weichen Bleistift auf weißem Untergrund, dessen intensiver Grafitcharakter eine malerische Komponente einführt.

Die Arbeiten Petra Sterrys, die im heurigen Jahr durch den Förderungspreis für bildende Kunst der Stadt Graz ausgezeichnet wurden, sind formal reduzierte, inhaltlich komplexe Recherchen existentieller Umstände, denen sich die Künstlerin auf sehr subtile und vielschichtige Weise nähert.

Gertrude Celedin, März 2002