POOL

ONA B., GABRIELE OBERMAIER, ANTON PETZ, KURT STRAZNICKY


Eröffnung:
Dienstag, 26. Juli 2005, 20 Uhr

Ausstellungsdauer:
27. Juli bis 11. September 2005

Öffnungszeiten:
Mo – Fr: 10 – 13 Uhr, 14 – 18 Uhr; Sa: 10 – 13 Uhr

Ona B.
Die neue Werkserie von Ona B. setzt sich mit medienvermittelten Frauenbildern auseinander. Ausgangsbasis der Arbeiten sind Frauendarstellungen aus aktuellen Hochglanzmagazinen Europas und Japan. Aufwändig inszenierte Bilder, in denen das künstlich Arrangierte den Eindruck des Normalen, des Normativen zu erwecken sucht.

Ona B. versucht mit ihren Bildbearbeitungen den Wirkmechanismus dieser Konstruktionen aufzudecken. Dafür hat sie ein äußerst effizientes und in seiner Einfachheit verblüffendes Verfahren entwickelt. Sie reduziert die minuziös ausgearbeiteten Fotografien, in denen ja jedes Detail komponiert und retuschiert ist, durch malerische und grafische Überarbeitung auf Körperbilder. Wir sehen hier reine Flächenkompositionen, die in einfachem rot, schwarz und weiß gehalten sind. Durch die Abdeckung des fotografischen Darstellungsraumes wird nun die jeweilige Figur aus dem sinnstiftenden Zusammenhang gehoben. Wir wissen also nicht, wo sich die dargestellte Person befindet, zu welchem Zweck sie ebenda ist und was sie tut. Zudem sind auch die Frauengestalten abgedeckt. Sie sind ihrer Individualität beraubt, ja als Person eigentlich unkenntlich gemacht. Im Bild ist ihr Dasein auf den Umriss ihres Leibes reduziert. Was wir primär wahrnehmen, ist ihre Körpersprache, ihre leibliche Befindlichkeit und Zugerichtetheit. Sie enthüllt Sehnsüchte und Ängste, Begierden und Begehren, Selbstkontrolle und Befreiungsbewegung, kurz sie lotet die Vielfalt jener gesellschaftlich kodierten Ausdrucksform Körpersprache aus, die noch vor jeder verbalem Kommunikation wahrgenommen und verstanden wird.
Textauszug von Edith Almhofer.

Gabriele Obermaier
„Draussen“ nennt sich ein Projekt, der Künstlerin, bei dem sie sowohl in der Natur als auch im urbanen Umfeld fotografiert. Für die Bildhauerin, die mit dem Medium Fotografie arbeitet sind Entscheidungen wie Blickrichtung, Perspektive und Räumlichkeit von großer Bedeutung und stehen in einem Sinnzusammenhang. Die Künstlerin gewinnt dadurch und durch die spätere Kombination verschiedener Einzelmotive in einen narrativen Zusammenhang dem Medium Fotografie eine ganz eigene Sprache ab.

Die dreiteilige Arbeit „Schwimmerinnen – Sprungturm – Sprungbrett“ aus der Serie „Draussen“, bei der der Blick der Kamera nach unten gerichtet ist, zeigt kaleidoskopartig die räumlichen Eindrücke, die ein Kunstspringer in seiner Wettkampfstätte hat oder haben kann. Die Aufnahmen sind im Dantebad in München, einer Schwimmsportanlage der Olympiade 1972, entstanden.

„Glücklich, wer fern von seinen Stadtgeschäften…“ – vierundzwanzig Frauen in vierundzwanzig Wäldern, Im Mittelpunkt dieser Fotoreihe stehen Frauen, ihre Beziehung zum Wald und die Wirkung des Waldes auf den Menschen. Freundinnen, Schwestern und Kolleginnen der Künstlerin wählen Wälder aus, zu denen sie eine besondere persönliche Beziehung haben. Die Frauen halten sich im Wald auf, legen dort ihre Alltagskleidung ab und schlüpfen in ihre festliche Garderobe. Es beginnt ein Dialog zwischen dem Modell, der Künstlerin und der Umgebung. Aus diesem Zusammenwirken heraus entwickelt sich ein „Private Moment“, ein Geschehen; im weitesten Sinne eine Performance, die dokumentiert wird.

Anton Petz
Er konzentriert sich auf die Bedeutung und Wirkung von massenmedial, vor allem durch das Fernsehen verbreiteter Bilder, und er verfolgt damit eine der wichtigsten Bedingungen unserer Realitätswahrnehmung. Im Zentrum seiner Bestandsaufnahme stehen verschiedene Darstellungen von Menschenmengen. Es geht dabei nicht um konkrete Ereignisse in der Weltgeschichte oder um politisch nachvollziehbare und einzuordnende Vorgänge und Zusammenhänge, aber jeder Betrachter, der jene Arbeiten von Anton Petz sieht, wird unweigerlich an Nachrichtenbilder des UN-Sicherheitsrates, der Börse, an Bilder von Großdemonstrationen oder an Aufnahmen überfüllter Flüchtlingsschiffe erinnert. Die gemalten Bilder beabsichtigen keine nähere Kennzeichnung der Einzelpersonen. Die gestisch und schnell gesetzten Pinselstriche erschaffen eine farbmächtige Welt aus Waagrechten, Senkrechten und Diagonalen, aus vereinzelt runden und kreisförmigen Elementen, die mit beeindruckendem Schwung zielsicher und ganzflächig gesetzt sind. Geht man nahe an die Leinwand heran, lässt sich kein mimetisches Abbild mehr finden, der Betrachter befindet sich in einem Farb- und Formenraum, der die Wahrnehmung vollständig umgreift. Tritt er aber zurück von der Leinwand, so setzt der Wiedererkennungseffekt dieser uns zwar vertraut anmutenden Bilder ein, deren Farben und formale Gestaltung jedoch deutlich von der Überschärfe des gepixelten Fernsehbildes abweichen.
Auszug aus einem Text von Judith Bader / Städtische Galerie Traunstein.

Kurt Straznicky
Seit vielen Jahren ist Kunstharz das bevorzugte Arbeitsmaterial des in Graz geborenen Bildhauers Kurt Straznicky. In den transparenten Kunstharzkörpern kann man vage oder deutlich Figuren oder Räume erkennen, die sich in Material, Farbe oder zugeordnetem Objekt genauer definieren. Um die Figuren herum beruhigen sich Zeit und Raum. Sie bleiben sichtbar und sind dennoch dem visuellen Zugriff entzogen.

Die Bilder liegen erstarrt im Kunstharz, erwecken aber nie den Eindruck von Stillstand. Ein Spiel mit der Wahrnehmung setzt ein, da die Figuren zwar erkennbar sind, sich aber gleichzeitig entfernen. Umgeben von einem Körper aus durchsichtigem Material schützen sie ihren verletzlichen Kern, um ihn gleichzeitig zu erhöhen.