RONALD KODRITSCH

MENSCHENSPIEL


Eröffnung und Katalogpräsentation:
Dienstag, 6. Februar 2007, 19 Uhr

Ausstellungsdauer:
7. Februar bis 13. März 2007

Öffnungszeiten:
Mo – Fr: 10 – 13 Uhr, 14 – 18 Uhr; Sa: 10 – 13 Uhr

Ansichten eines schlampigen Realisten
Auszug aus einem Gespräch von Claus Philipp mit Ronald Kodritsch.

„Menschenspiel“ – das Wort trage ich schon viele Jahre mit mir herum. Ich hab da immer an eine Art Weltentheater, Marionettentheater gedacht, wer auch immer da die Fäden zieht: Leben als Spiel, zwischenmenschliches Spiel – das ist das Thema. Mit allen Verkleidungen. Die Arbeiten sind ein bisschen weniger verspielt als im letzten Katalog „Leck“. Farblich reduzierter. Schlampiger Realismus, würde ich sagen. Man denkt gar nicht mehr ans Motiv. Man verleibt sich das Motiv ein, wie eine Sprache. Man konzentriert sich auf ganz andere Dinge und hat den Kopf freier. Bevor ich zu malen beginne, muss ich mich natürlich immer quälen. Da bin ich dauernd auf der Suche.

Vieles entsteht im Spiel, durch Übungen oder „Therapiezeichnungen“, die gar nichts damit zu tun haben, dass man „Kunst“ macht. So wie man mit Bausteinen spielt, sich unbefangen mit jemandem unterhält oder Mensch-ärgere-dich-nicht spielt. Aber, ganz wichtig, es geht nicht ums Gewinnen, sondern nur darum, etwas zu tun. Das ist mir eigentlich am liebsten. Aber nicht immer ist man so entspannt, und dann kommt es eben zu diesen Suchereien – man hat ein verschwommenes Bild im Kopf oder ein Gefühl im Bauch und versucht, dafür ein Sujet zu finden, was nichts anderes ist als eine Erklärung.

Ein Beispiel: Du nimmst ein kleines Häuschen, schreibst darauf PUFF und stellst es in eine Landschaft. Das ist ein blitzartiges Manöver. Ein „blöder“ Gedanke. Und das setzt sich dann einmal in einer Reihe fort.

Ja, bei den Puff-Häuschen war das ganz lustig, das sind im Prinzip reine Landschaftsmalereien. So ein Häuschen kann man nicht einfach auf eine weiße Wand stellen. Es ist ja manchmal nur eine monochrome Fläche, dieses Häuschen, eher wie ein Gang, ein Tor in eine Landschaft. Wie so ein ausgeblitztes Haus – das nicht wirklich durchgemalt ist. Aber sonst? Die Motive kommen von überall her – aus Privataufnahmen, Zeichnungen, Magazinen, Internetseiten – und werden dann verfremdet. Immer kommt etwas dazu, wird wieder was entfernt, und an der Stimmung gearbeitet.

… wenn Humor, dann ein schwarzer, aber komödiantisch, das klingt so nett, zu sehr nach Kabarett. Ich bin kein Witzzeichner, das ist mir auch noch nie vorgeworfen worden, „seltsam“ ist mir da als Begriff schon lieber. Und dass ich ein bisschen rücksichtslos umgehe mit dem Material und mit einer gewissen Haltung – ob das ein Handicap ist, weiß ich nicht. Ich hoffe halt, dass es eine gewisse Eigenartigkeit hat.
Aus: Katalog zur Ausstellung „Menschenspiel“, 2007