TONE FINK

„bona(p)arte“ Napoleons Feldbett

aktuelle kunst in graz:
Fr. 10. – So. 12. Jänner 2003, jeweils 11 – 19 Uhr

Performance: Sa, 11. 1. 2003, 11 Uhr
Galerienfrühstück: So, 12. 1. 2003, 11 Uhr

Ausstellungsdauer: 10.1. – 15.2.2003.
Öffnungszeiten:
Di – Fr: 9.30 – 13 Uhr, 13.30 – 18 Uhr; Sa: 10 – 13 Uhr

Erlebte Aufzeichnungen in Bild-, Wort- und Objektwerk ergeben Zwischenräume in mehreren Ton(e)arten. Im Zusammenspiel von Material, Gewicht, Form, Farbe und Funktion enstehen Kraftbausteine, mit denen ich kreuz und quer prozessiere, handhabe, verrücke und die Position wechsle…

Ich halte nicht still in den Stilen und rühre um im guten und schlechten Geschmack. Zeichnen und bezeichnen, papieren und verirren, formen und bauen, setzen und schichten, vorführen und verführen, malen und skulpturieren, gestalten und lustverwandeln, bewegen und performieren, ornamentieren und sich (ver)zieren.

Immer wird grob bis fein entworfen und in spielerischen Irritationen vor den Kopf gestoßen. Im steten Kampf gegen das Zuviel und das zu Schöne mit dem Weniger ist mehr…
Tone Fink

Wenn ihr saubere Ideen wollt, dann wechselt sie wie Hemden!
Francis Picabia

Mobile Objekte in „handgeschöpfter Papierkaschur“ wie Napoleons Feldbett, Leib- und Liebesgestühl, Feldproviantroller laden den Besucher zum Betrachten, Begreifen, Besitzen ein. Fink schafft in Anlehnung an das oftmals in historischen Ausstellungen präsentierte Feldbett Napoleons in frei assoziativer und ironischer Form Alltags-Gegenstände des mythenumworbenen Kaisers, der auch in der Geschichte von Graz eine nicht unbedeutende Rolle spielte. (Belagerung der Stadt und Schleifung der nicht eingenommenen Festung im Jahre 1809 nach dem Friedensvertrag von Schönbrunn)

Kunst ist für Fink etwas Bewegtes und Lebendiges. „Körperbezogen wird daher mit dem Feldproviantroller balanciert, das Feldbett entfacht und probiert, der Rollrelaxer (Drehen) zum Ausschauobjekt verwandelt, der Leibesstuhl zerlegt und kommentiert.“ Fink ermutigt die Besucher seine Objekte zu benutzen, zu verrücken, damit zu fahren, darauf zu liegen oder sie zu „besitzen“. Damit nimmt er seiner Kunst aber auch zugleich dem oft zitierten Mythos Napoleons die Aura der Unantastbarkeit. Der Mensch mit zutiefst menschlichen Bedürfnissen steht im Vordergund der Darstellung.

Margit Fritz-Schafschetzy

„Bona(p)arte in.tonie.rt“

Der Leibstuhl steckt im Gras, beißt nicht, loktapapierkaschiert, mit Handballenrundgriff zum besseren Drücken. Alles wartet auf den Feldherrnschieß, schußbereit ins goldene Teller, vom Diener herausschubladisiert und entsorgt. Wieder ein kaiserlicher Nährstoff für Schlachtfelder.

Der Feldproviantroller geführt im Habtachtschritt. Tapeziert mit Zugluft(schuß)löchern in Reih und Glied, geordnet auf dem Holzweg, machthungerstillend.

Auf der Treppenhochschaubank verfolgt er den Truppenverlauf, ein böses Ameisentheater, in karger Ruhestellung.
Napoleons Feldbett, zerlegbar einfach und leicht tragend, in wacher Härte, auf unschuldweißem Zellstoffbrei gebettet. Himmelssicht in geordnetem Zielscheibenmuster, toter Punkt im Kreis, cuproseidig. Vielleicht übt er Handstand oder Yogadisziplin.

Begierdezüngelnder Rollrelaxer, körperanschmiegsam und hautschmeichelnd, durchackert die Todesgärten in leibbezogener Ruhelage. Ohrenschutz klappen betäuben nicht, erotisierende Klapperschlangen aufbäumend, wie ein aufgeschrecktes Walroß. Papierleicht und nicht bleischwer!

Bonapartes Liebesstuhl, feinfahrend und harmonieleise rollend, in ziegelrotem Loktapapiergewand macht Macht wirr und Liebe weich. Vernäßt miteinander in Unmanier nicht bleigeschmolzen und schlachtvergessen, das sündige Lippenloch durchblumt, hält Ausschau in Grund und Boden. Die kaiserliche Jenseitsrüttlerwippe wartet auf den Ruhestörer. Wenn er still hält, haben viele gewonnen.
Tone Fink


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