Karen Holländer, Josef Kern, Andreas Leikauf, Anton Petz, Klaus Wanker
Die gegewärtige Ausstellung ist einem sehr traditionellen Thema gewidmet, nämlich der Darstellung des Menschen.
Fünf Künstler nähern sich auf sehr unterschiedlicher Weise - sowohl inhaltlich als auch stilistisch - diesem Sujet.
Erstmals mit Ihren Arbeiten in Graz vertreten ist Karen Holländer. Die aus Deutschland stammende Malerin und
Buchillustratorin studierte an der Akademie der bildenden Künste Malerei und lebt seit 19 Jahren in Wien. Sie setzt
sich in ihrer Malerei mit dem Thema "Konsumwelten" auseinander. Ein Spaziergang durch die Stadt liefert eine
Flut von Eindrücken, die zusammengewürfelt sind aus vielen Einzelheiten wie Leuchtschildern, Werbetafeln, Gerüchen,
Geräuschen, Spots, starr blickenden Schaufensterpuppen, Waren und Menschengewühl. In dieser geballten,
neonbeleuchteten Atmosphäre aus Sehnsüchten, Begierden und Träumen findet Karen Holländer die Sujets für ihre Bilder.
Im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit steht immer die Künstlichkeit der Konsumwelten, von denen gleichermaßen eine geradezu
unheimliche Kälte und Faszination ausgeht. Hier in diesen spiegelnden, glänzenden Tempeln wohnt das Neue, Perfekte
und Erstrebenswerte, hier wird den neuesten Trends nachgejagt. Was aber passiert, wenn nach Ladenschluss die
Menschenmengen durch die hydraulischen Türen nach draußen befördert werden und sich im Labyrinth der Seitenstrassen
und U-Bahnnetze verlieren? Eine einsame Spaziergängerin versenkt sich in den Anblick nackter Gliedmaßen von an die
Wand gelehnten Ankleidepuppen. Der bloße Kopf einer Herrenpuppe liegt seitlich auf der Stellage. Sie hat das Gefühl,
die verführerisch- gläsernen Augen beobachteten sie. Das grüne Neonlicht der Auslagenfenster spiegelt sich im nassen
Asphalt der Strasse. Ein Mann schiebt in der Entfernung einen Einkaufswagen über den Parkplatz. Die nüchterne
Architektur eines Einkaufszentrums türmt sich über ihm auf. Perfekt gekleidete, wohlproportionierte
Schaufensterpuppen bevölkern starr und steif in künstlichen Posen die Auslagen der abendlichen Schaufenster, nur
zwei tanzen aus der Reihe, ein dicklicher Mann im Smoking und eine Frau im langen Abendkleid. All diese Szenen
gelten als würdige Motive für Karen Holländers Bilder, in denen sie versucht, sich kritisch mit ihrer vom Konsumwahn
dominierten Umwelt auseinander zu setzen.
(nach einem Text von Karen Holländer)
Andreas Leikauf bedient sich der Suggestivkraft von Bildern, Texten und Information allgemein. Seine Themen wie
Gewalt, Politik, sexuelle Beziehungen, etc. werden so dargestellt, wie sie in den Medien präsentiert werden.
Vorhandenes Bildmaterial (aus Zeitungen, Magazinen, etc.) wird dabei verwendet. Wenige, meist intensive Farben in
Verbindung mit Schwarz machen die die Dramatik aus. Obwohl die Protagonisten aus der Jetztzeit stammen, wirken sie
zeitlos. Im besten Sinn holzschnitthaft sind Leikaufs Bilder. Sie relfektieren über das, was wir für schön halten
und hinterfragen Ideale und Wunschbilder, nicht zuletzt durch die Gegenüberstellung von Bild und Text. In der
Struktur des Comics findet er zusätzlich bereits entwickelte Darstellungsmöglichkeiten.
(Textauszug: Günther Holler-Schuster, Boxen, Bebop, Whiskey und filterlose Zigaretten - Zu Andreas Leikaufs neuesten Bildern, Kat. Andreas Leikauf No Brain - No Pain, hilger contemporary , 2004)
Anton Petz konzentriert sich auf die Bedeutung und Wirkung von massenmedial, vor allem durch das Fernsehen
verbreiteter Bilder. Die Darstellung von Menschenmassen ist in letzter Zeit zu einem weichtigen Thema geworden. Die
Bilder erinnern an Massendemonstration oder andere Menschenansammlungen. Petz beabsichtigt keine nähere Kennzeichnung
der Einzelpersonen. Die gestisch und schnell gesetzten Pinselstriche erschaffen eine farbmächtige, expressive Welt
aus Waagrechten, Senkrechten und Diagonalen, aus vereinzelt runden und kreisförmige Elementen, die mit
beeindruckendem Schwung zielsicher gesetzt sind. Geht man nahe an die Leinwand heran wird man kein mimetisches Abbild
mehr finden können. Man befindet sich im einem Farb-und Formenraum, der die Wahrnehmung umgreift, ähnlich wie es bei
informeller Kunst der Fall sein kann. Tritt der Betrachter ab vor der Leinwand zurück, so setzt der
Wiedererkennungseffekt medial vertrauter Bilder ein, die aber durch Farbe und formale Gestaltung verfremdet sind.
Dabei bleibt das Bezugssystem immer im Verhältnis von Gesellschaft und Einzelindividuum.
Josef Kern befaßt sich seit Jahren mit der Darstellung des Menschen. Seine Auseinandersetzung mit den klassischsten
aller Genres, dem Porträt, dem Akt, aber auch dem Stilleben hat Kern praktisch zum Markenzeichen erhoben. Er
porträtiert Freunde und Bekannte, Modelle oder sich selbst. Direkt und offen stellt er Nacktheit als etwas
provozierend Natürliches dar. Die Sinnlichkeit seiner Gemälde entsteht nicht zuletzt durch seine virtuose
Beherrschung der malerischen Technik. Farbschattierungen, reich an raffinierten Nuancen, modellieren die Körper und
refektieren von der Hautoberfläche. Im Kontrast dazu korrespondieren Stoffdrapierungen oder Lederbezüge in ihrer
Materialität mit dem menschlichen Fleisch. Kern scheut sich nicht, durch seine bisweilen fast unbarmherzige
Realitätsnähe die Intimsphäre der Dargestellten zu durchbrechen.
Klaus Wanker inszeniert junge Menschen in ihrer Street Wear und ihrem Style: bunt, kühl, präzis. Die Models von der
Straße sind in Szene, sozusagen in Pose gestellt. Es ist die Welt der Show, der Szenery, des Imaginary Stardom.
Momentaufnahmen des Augenblicks. Ruhm und Illusion liegen nahe beieinander. Brainwashing durch Branding, Werbung und
Marketing der Konzerne, Medien uns Music Channels. Produkte und das Produkt Mensch - geschaffen durch Manager und
Artdirectors.
(Auszug aus Katalogtext von Kolja Kramer)
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