Innenraum
Johannes Deutsch, Michela Ghisetti, Karen Holländer, Andreas Leikauf, Martin Schnur, Bernhard Tragut
JOHANNES DEUTSCH
Zu den Arbeiten des Zyklus "Kulissen"
Der neue Zyklus (seit 2006/07) ist noch im Entstehen und hat seine Wurzeln in zwei Auftragswerken: meinen interaktiven
Inszenierungen der Oper Das Rheingold von Richard Wagner (Brucknerfest 2004 in Linz) und der 2. Symphonie von Gustav
Mahler (Westdeutscher Rundfunk, Kölner Philharmonie, Köln 2006) beide als Virtual Realitys (auch für TV). In dieser
Zeit entfaltete sich mein künstlerisches Interesse für die Verwandlung von literarischen und musikalischen Eindrücken
in visuelle Parallelwelten.
In meinem Zyklus "Kulissen" geht es nicht um die großen Dramen der Menschheitsgeschichte wie sie Wagner und
auch Mahler in ihrer Kunst behandeln, sondern es werden meine persönlichen Erinnerungen und Gefühle vor dem Schirm
einer gedachten, gläsernen Bühne mit Protagonisten inszeniert. Die Beschäftigung mit der Erinnerung findet oft in einer
Stimmung der Intimität statt. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn in diesen Bildern dem Leben etwas von einer
gefrorenen Zeit anhaftet, auch wenn in der Szene alles glänzt und schimmert. Als Kind habe ich mich in alle Stillleben,
Früchtekörbe oder Architekturornamente mit so viel Phantasie versenkt, dass sich die kleinen Gegenstände in reich
bevölkerte Welten und lebendiges Treiben verwandelten. Im neuen Zyklus beschreite ich endlich den umgekehrten
Gedankengang.
KAREN HOLLÄNDER
Hundstage- Szenarien eines Innenraums.
Die Bilderserie in drei Teilen ist mehrdeutig zu verstehen: Autobiografisch, ironisch und symbolisch. Beherrscht von
den Temperaturen einer Hitzeperiode, auf die der dominierende Gelbton der Räume, ein bereitgestellter Wassernapf, sowie
ein abgelegtes Kleidungsstück hinweisen, scheinen die dargestellten Personen einer gewissen Trägheit anheim gefallen zu
sein. Die Bilder sind gespickt mit Andeutungen auf alltägliche Situationen im Leben der Malerin Karen Holländer.
Technischen Produkten (Fernseher, Handy, Steckdosen, Kabelsalat), deren Präsenz in Innenräumen allgegenwärtig ist und
das Alltagsleben der Menschen mehr oder weniger dominieren, wird kein geringeres Augenmerk geschenkt, als den
versteckten Andeutungen über die Beziehung zweier Menschen, die sich in diversen Abhängigkeiten, Monotonien,
Spannungsfeldern und Egoismen manifestiert. Mit dabei ist immer der Hund, der die Treue symbolisierend, gewissermaßen
als neutralisierender Bestandteil der Szenerien darüber wacht, daß die Situationen nicht gänzlich aus dem Ruder
geraten.
BERNHARD TRAGUT
Ich versuche in meinen Arbeiten, über das Alltägliche in die Tiefen unserer Existenz vorzudringen, in dem ich
alltägliches sakralisier, Monumente demontiere, vergrößere und verkleinere, verberge und herzeige und Augenblicke
verdichte. Wie einmal Franz Ringel sagte, die Wirklichkeit ist die Wirklichkeit, ein Bild ist ein Bild. So sehe ich
mein Tun als Künstler.
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