JOHANNES DEUTSCH
"Zeit-Perlen"
Der neue Zyklus entsteht seit 2006 und ist der Versuch literarische und kulturgeschichtliche Eindrücke in einer visuellen
Welt zu entfalten. Themen aus den Metamorphosen des Ovid erscheinen im Zyklus eingestülpt in Kulissen. Es sind persönliche
Beobachtungen, welche auf die Schirme einer gedachten Bühne projiziert werden. Entstanden sind die Bilder nach dem Modell
eines Stilllebens in welches man sich tranceartig versenkt, bis sich die Gegenstände und Kulissen in lebendige Welten
verwandeln.
Zeit-Perlen entfaltet die Wachtraum-Bühne einer Opernsängerin.
In ihren Träumen erinnert sich die Sängerin Celeste an die Geschichten und Themen der Kunstgeschichte, der Oper und des
Films. Mit diesen Erinnerungen durchläuft sie auch ihr persönliches Schicksal, da sie zwischen dem Zitat, der eigenen
Erlebnisse und jenen in ihren Rollen als Sängerin changiert. Nach ihrem großen Opernauftritt am Vorabend tritt Celeste am
Morgen in die Veranda ihres Hauses. Noch ihren Träumen nachhängend, vermischen sich ihre Gedanken mit dem Blick aus den
Fenstern. Die Morgendämmerung und das erste Licht dringen durch die Glasscheiben. Allmählich weitet sich die Veranda und
wird zur Kulisse eines imaginären Theaters.
Auch die Gedanken der Sängerin beginnen sich gleich Filmen zu bewegen. Celeste scheint nicht mehr aus ihrer Veranda zu
sehen, wie in einem Kaleidoskop wirbelt es vor ihren Augen die Stücke aus der Erinnerung. Überall flirrt das Gesicht
eines Mannes, die Veranda wird zum Gesicht, zum Gesichtsraum. Celeste ist gefangen, die Glasscheiben ihrer Veranda sind
zur Gänze zum Bild eines Gesichtes geworden. Infernos und Paradiese tauchen auf den Kulissen auf.
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