KAREN HOLLÄNDER. Stadtpflanzen
Ein Thema, dem Karen Holländer immer wieder ihre malerische Aufmerksamkeit widmet,
sind die Stadt und ihre Bewohner. Als Sammlerin von Momentaufnahmen von Grünanlagen
oder Häuserschluchten scheint es ihr ein Anliegen zu sein, die scheinbare
Eintönigkeit der Stadtrealität zu widerlegen und die Möglichkeit aufzuzeigen, trotz
oftmals widrig anmutender Rahmenbedingungen ein Leben darin einrichten zu können.
Indem sie malerisch die schöne Heimlichkeit von Schattenspielen herbstlicher
Kastanienzweige auf Hausmauern, das von in Fenstern gespiegeltem Herbstlaub, oder
eine nächtliche Hausmauern-Umarmung von Schatten nackter Baumäste thematisiert, weist
sie in ihren Bildern hin auf die Bedeutung des Zusammenspiels zwischen Mensch, Stadt
und Natur.
Gerade in der künstlichen, gezähmten Natur städtischer Parkanlagen wird letzteres
besonders deutlich: gelbe Gartenschläuche umschlängeln frech jene kugelförmig vom
Menschen zurechtgestutzten Bäume, welche nimmer müde werden mit ihren Trieben die
aufgezwungene Ordnung zu boykottieren, um sich, ohne dem Betrachter einen deutlichen
Hinweis auf einen möglichen Anfang, ein Ende oder eine Richtung ihres Weges
preiszugeben, irgendwo im Grün frisch gemähter Rasenflächen zu verlieren.
An eben jenen Schauplätzen lässt sie mit ironischem Vergnügen höchst ungewöhnliche
Stadtbewohner der Verrichtung beschaulicher Spaziergänge nachgehen, wie zum Beispiel
jene Hundebesitzerin am von Unkraut gesäumten Wegesrand, die augenscheinlich eine
Vorliebe für Leopardenstrümpfe und die Farbe Grün hat und sich auch sonst keinen Deut
um vorgeschriebene Konventionen zu kümmern scheint.
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